The Martin Luther King Experience

Wir wir die Würde wahren und friedvoll Veränderung bewirken können.

Eine wirklich beeindruckende und wegweisende Episode aus dem Leben des amerikanischen Bürger- und Menschenrechtlers Martin Luther King (aus dem Buch von Arthur Zajonc: „Aufbruch ins Unbekannte. Meditation als Erkenntnisweg“).

Während seines langjährigen Einsatzes für die Rechte der Schwarzen in Amerika plädierte Martin Luther King unermüdlich für Gewaltlosigkeit bei allen Bemühungen, auf die Unterdrückung der Schwarzen, insbesondere im Süden, aufmerksam zu machen. Er erhielt viele Drohbriefe und erlitt eine Reihe von Mordanschlägen. Einmal wurde ein Bombenanschlag auf sein Haus in Montgomery, Alabama, verübt, während er bei einer Versammlung in der Kirche eine Rede hielt. Das Vordach und die Straßenseite des Hauses wurden dabei schwer beschädigt. Seine Frau Coretta und die Tochter Yoki hielten sich zu der Zeit im hinteren Teil des Hauses auf, und so wurde niemand verletzt.

Bis zu Kings Eintreffen hatte sich eine aufgeregte Menge Hunderter schwarzer Nachbarn versammelt, die zum Vergeltungsschlag gegen die anwesende Polizei ausholen wollte. Ein Anschlag war auf ihren geliebten und verehrten Anführer und seine Familie verübt worden. Angesicht der Wahrscheinlichkeit, dass es zu Rassenunruhen kommen würde, bat die Polizei King, das Wort an die Menge zu richten. King trat auf die Überreste der Veranda, und als die Hände erhob, wurden alle still. Er sagte: „Wir glauben an Recht und Ordnung. Unterlasst jedwede panische Reaktion. Keiner soll seine Waffe holen. … Wir treten nicht für Gewalt ein. Wir wollen unsere Feinde lieben. Ich möchte, dass ihr unsere Feinde liebt. Ich habe nicht zu diesem Aufstand aufgerufen. Ihr habt mich darum gebeten, euer Sprecher zu sein. Jedermann, überall in diesem Land soll wissen, dass diese Bewegung nicht mit meinem Tod aufhört. Unser Einsatz wird nicht mit meinem Leben aufhören …“

Als King geendet hatte, antwortete die Menge mit „Amen“ und „Gott segne dich“, und ein jeder ging friedlich nach Haus. Viele weinten. Gewiss hatte King angesichts des Anschlages auf seine Familie und sein eigenes Leben ebenso Zorn empfunden wie sie, und doch war es ihm möglich gewesen, einen inneren Standpunkt einzunehmen, von dem aus er sich in Wort und Tat dafür einsetzen konnte, Hass nicht mit Hass zu vergelten, sondern dem Hass Liebe entgegenzusetzen.

Jeder von uns wird in seinem Leben persönliche Erfahrungen gemacht haben, die Anlass zu Hass, Wut, Zorn, Eifersucht, Begierde etc. gegeben haben. Wenn diese starken Emotionen aufsteigen und wir zur Gänze unter ihren negativen Einfluss geraten, werden wir blind. Von ihnen überwältigt, sehen wir nicht mehr wer oder was vor uns steht. Wir können dann die wirkenden Kräfte nicht einschätzen oder intuitiv den richtigen Weg finden. Wie können wir genau dann, einen neuen inneren Standpunkt einnehmen, von dem aus wir wie Luther King, einen Durchbruch zu einem reflektierten, würdevollen und mitfühlenden Verhalten schaffen?

Breakthrough Leadership

Mit dem Teilen dieser Geschichte geht es mir nicht darum, Martin Luther King zu überhöhen. Mich fasziniert der Weg und die Möglichkeit in einer Extremsituation, eine wahrhaft zerstörerische und unkontrollierbare Dynamik, in eine auflösende, friedvolle und zugleich extrem wirksame Dynamik zu transformieren. In dem wir zunehmend fähig werden, in solchen Momenten des Lebens einen Schritt zurückzusteigen und innezuhalten. Uns nicht von den Gefühlen überwältigen lassen sondern einen würdevollen und erhabenen Standpunkt einnehmen. Wenn es dir gelingt, dich in diese oder eine für dich stark herausfordernde Situation vor allem emotional und nicht (nur) mental zu versetzen. Und du dann diese starken Emotionen ein Stück weit nachempfindest, sie aufsteigen lässt, du auch ihre Macht spüren kannst, ohne dass sie dich überwältigen. Und du dann erst diesen inneren, „höheren“ Ort aufsuchst, von dem Luther King ins würdevolle Handeln kam. Puuhhhh, dann ist wirklich ein Anfang gemacht. Das ist Leadership der Extraklasse würde ich sagen.

Dieser Text über Martin Luther King stammt aus dem wundervollen Buch von Arthur Zajonc: „Aufbruch ins Unbekannte. Meditation als Erkenntnisweg“. Falls du dich für kontemplatives Forschen, also Erkenntnisgewinn durch Kontemplation interessierst, dann kann ich dir dieses Buch nahelegen. Arthur Zajonc beschreibt anhand dieser Geschichte auch eine Übung, wie uns der würdevolle Umgang und Achtsamkeit für unser Gefühlsleben in kritischen oder bedrohlichen Momenten mehr und mehr gelingen kann. Ich konnte aus dem Buch für mich selbst viel Weiterführendes und Inspirierendes gewinnen.

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