Sehen was ist oder wie Veränderung eigentlich wirklich erfolgt

Sehen was ist

Die Begegnung mit Wilfried Nelles hat mich selbst in einer turbulenten Lebensphase erwischt. Sie hat mich inspiriert und herausgefordert zugleich. Bei mir hat es gedauert und dauert sicherlich an, in diese Haltung dem Leben gegenüber hineinzuwachsen von der Wilfried Nelles hier spricht. Für mich ist die phänomenologische Haltung ein neues, wegweisendes Forschungs- und Lernfeld, sich ganz auf das Leben als Mensch, Team oder Organisation einzulassen.

Rückblickend hat es zu einem Platzen von vielen Bildern geführt. Meine Vorstellungen, die ich von oder über mich selbst hatte, meine Vorstellungen davon, wer ich bin, vor allen Dingen meine Vorstellungen davon, wer ich sein sollte, meine Ideale. Und auch meine Vorstellungen davon, wie die Welt sein soll, wurden zerstört.

Wilfried Nelles meint dazu:

„Denn die Welt entspricht nicht unseren Bildern. Das Sich verbessern Wollen läuft nur irgendwelchen Idealvorstellungen hinterher, von denen man glaubt, es wären die eigenen, die man aber in Wirklichkeit von irgendwo aufgesaugt hat. Sie haben gar nichts mit dir zu tun. Sie haben etwas mit deiner Geschichte zu tun, aber nicht mit deinem Wesen.“

Veränderung erfolgt in diesem Sinne durch Einlassen auf das Jetzt

Meist fixieren wir uns auf etwas, von dem wir glauben, es nicht zu sein oder zu haben, und dann strecken wir uns danach, das zu werden oder zu erreichen. Ständig wollen wir wohin, etwas verwirklichen, ohne dass wir die Wirklichkeit, die schon ist, sehen.

Das spannende und herausfordernde aus der phänomenologischen Haltung zu heraus zu arbeiten, geht es daher primär um das Erkennen: Es geht darum, das zu sehen, was ist, vor allem zu sehen, was oder du bist, und dieses Sehen an sich heranzulassen. Und zwar ohne jeden Versuch, ja sogar ohne den Wunsch, es oder dich zu verändern.

Es ist eine totale Besinnung, ein sich gänzlich Einlassen auf die Wirklichkeit des Augenblicks. Auf die Kraft und Erkenntnis des Jetzt.

In diesem Sinne gibt dies auch einen Einblick, wie ich heute arbeite und coache. Es ist in der Tat jedesmal auf’s Neue ein schöpferisches Handeln. Beginnend mit dem Mut sich auf das Nicht-Wissen, was da kommen mag und wohin das Coaching oder die Begleitung führen mag, einzulassen. Und dann sich von der Wahrheit des Augenblicks führen lassen.

Bert Hellinger hat das einmal so beschrieben (in „Zweierlei Glück“):

„Die phänomenologische Methode weiß nicht das Ende, sondern sie weiß nur immer den nächsten Schritt (…) Das widerspricht der wissenschaftlichen Vorgangsweise, die ein klares Ziel hat und vom Ziel her den Weg bestimmt… Wenn ich einem Menschen meine Wahrnehmung mitteile, verändert sich etwas bei ihm. Damit wird Wahrnehmung zu einem schöpferischen Akt.“